Einstieg in die Werbetechnik: Plotter, Folie und Werkzeug für die ersten Aufträge
Car Wrapping und Fahrzeugfolierung: Folie wählen, Haltbarkeit, Pflege und Entfernen
Gegossen oder kalandriert, Avery Dennison, 3M oder Oracal: die Datenblattwerte im Vergleich
Welche Folie nimmt man zum Auto folieren?
Für die Vollverklebung (Car Wrapping) sind die Wrapping-Serien der großen Hersteller gegossene PVC-Folien mit Luftkanälen im Klebstoff. Orafol ordnet die Folientypen in seinen Verarbeitungsrichtlinien so zu:
- Gegossene (Cast-)Folien: für schwierige 3D-Geometrien und Vernietungen, gut im Heißtiefziehverfahren zu verarbeiten
- Kalandrierte Folien und Strukturfolien: für Fahrzeuge oder Fahrzeugteile ohne ausgeprägte 3D-Geometrien
Für die Planung wichtig: Helle Farbtöne und farbige Metallics decken laut Orafol weniger als dunkle Töne, auf dunklem Lack kann sich der Farbeindruck ändern. Und für ein Fahrzeug verwenden Sie nur Folie aus einer Charge. Darauf weisen Orafol, 3M, Avery Dennison und KPMF hin.
Gegossene oder kalandrierte Folie: Was ist der Unterschied?
In den Orafol-Datenblättern heißt gegossene Folie „Cast-PVC-Folie, gegossen“. Der Unterschied zeigt sich vor allem bei der Verarbeitung (Orafol-Verarbeitungsrichtlinien):
- Gegossene Folien können in Sicken heiß tiefgezogen werden. Prägnante Vertiefungen, zum Beispiel scharfkantig gewinkelte Sicken, werden eingearbeitet, geschnitten und überlappend verklebt.
- Kalandrierte Folien eignen sich für ebene und mehrfach leicht gewölbte Flächen. Sie dürfen nicht in tiefe Karosseriesicken heiß tiefgezogen werden. In Vertiefungen und über Nieten werden sie geschnitten und überlappend verklebt.
Auch die Formstabilität unterscheidet sich. Gut zu sehen ist das an zwei Orafol-Serien mit gleicher Klebkraft (18 N/25 mm): Die gegossene Oracal 751C High Performance Cast schrumpft verklebt höchstens 0,15 mm, die kalandrierte Oracal 651G Intermediate Cal bis 0,4 mm in Längsrichtung (FINAT TM 14 auf Aluminium).
Welche Hersteller und Serien gibt es für Car Wrapping?
Im Shop finden Sie unter anderem diese gegossenen Wrapping-Serien:
- Avery Dennison Supreme Wrapping Film: Gussfolie mit 80–140 µm Obermaterial je nach Ausführung, Easy Apply RS zum Positionieren ohne Blasen; glänzend, seidenmatt, matt, Perlglanz und Metallic, dazu ColorFlow, Diamond und Extreme Texture (z. B. Karbon, gebürstetes Metall)
- 3M Wrap Folie 2080: gegossen und mehrschichtig, 90 µm ohne Klebstoff, Controltac zum Positionieren und Comply-Luftkanäle, 1,52 m breit; glänzende Farben haben eine transparente Schutzfolie, die nach der Verklebung abgezogen wird
- Oracal 970RA / 970RA+ Premium Wrapping Cast: Cast-PVC-Folie mit 0,11 mm, RapidAir-Luftkanäle, repositionierbarer Solvent-Polyacrylat-Kleber; viele Farben als RA+ mit ProSlide (erkennbar am Plus-Symbol), dazu Shift- und Special-Effect-Farben
- KPMF K75400/K75500 Cast Wrap Film: Premium-Cast-Folie für Vehicle Wrapping, 80–110 µm je nach Farbe, Airelease-Liner, 1524 mm breit
Lackschutzfolien (PPF) sind ein eigenes Thema. Dazu lesen Sie unseren Beitrag zum Avery Dennison RPPI-Programm.
Wie lange hält Car-Wrapping-Folie?
Die Hersteller geben die Haltbarkeit für senkrechte (vertikale) Außenflächen an, jeweils mit eigenen Bedingungen: Orafol für mitteleuropäisches Normalklima, 3M ohne Angabe einer Region, Avery Dennison für Supreme Wrapping Film je Bereich, vertikal und nicht vertikal. Auf waagerechten Flächen ist sie bei Orafol und Avery Dennison deutlich kürzer. Werte laut Datenblatt:
- Avery Dennison Supreme Wrapping Film (Tabelle Bereich 1, vertikal / nicht vertikal): Schwarz und Weiß 12 / 6 Jahre, Farben 10 / 5 Jahre, Metallic und Perlglanz 5 / 2,5 Jahre, ColorFlow und Extreme Texture 4 / 1 Jahr, Diamond 3 / 1 Jahr
- Oracal 970RA und 970RA+ (vertikal, mitteleuropäisches Normalklima): Schwarz und Weiß 12 Jahre, farbig 10 Jahre, Metallic 5 Jahre. Laut Datenblatt 970RA halten Shift- und Special-Effect-Farben 4 Jahre, einige Sondermetallics wie Kupfer, Bronze, Graphit metallic oder Perlmutt 3 Jahre. Für horizontale Flächen halbiert die Orafol-Tabelle die Werte in Klimazone 1, zu der Deutschland gehört (z. B. 10 → 5 Jahre).
- 3M Wrap Folie 2080: 8 Jahre für alle Farben und Oberflächen (vertikal, flach verklebt, ohne Schutzlaminat, außen, ohne Garantie). Einen eigenen Wert für horizontale Flächen nennt die Produktinformation nicht.
Orafol schreibt ausdrücklich: Für eine Vollverklebung sind die Werte für die horizontale Verklebung zugrunde zu legen. Kürzer wird die Haltbarkeit unter anderem bei hoher UV-Belastung, starker Luftverschmutzung, ungenügend gereinigtem Untergrund und wenn Insektenreste oder Vogelkot nicht zeitnah entfernt werden.
Welche Folie für Autobeschriftung?
Für geplottete Schriftzüge und Logos auf Fahrzeugen gibt es dünnere Beschriftungsfolien. Die Wahl hängt vom Untergrund und von der geplanten Laufzeit ab:
- Oracal 751C High Performance Cast: gegossen, 60 µm, für hochwertige Werbung auf Fahrzeugen, dimensionsstabil auch über Sicken und Nieten; vertikal 8 Jahre Schwarz/Weiß, 7 Jahre farbig, 5 Jahre Metallic
- Avery Dennison 800 Premium Cast: gegossen, 50 µm, für Fahrzeugbeschriftungen und Festaufbauten; senkrecht 10 Jahre Schwarz/Weiß, 8 Jahre Farben, 5 Jahre Metallic
- Oracal 651G Intermediate Cal: teilpolymere, kalandrierte PVC-Folie, 70 µm, für kurz- und mittelfristige Fahrzeugwerbung; vertikal 5 Jahre Schwarz/Weiß, 4 Jahre farbig und Metallic. Nach den Orafol-Richtlinien für ebene und leicht gewölbte Flächen.
Für Anhänger und Untergründe mit niedriger Oberflächenenergie gibt es einen eigenen Beitrag: Folien auf Anhängern und niederenergetischen Untergründen.
Wie pflegt man Autofolie, auch matte?
Laut Orafol hat die Folie nach drei Tagen ihre optimale Endhaftung. Vorher darf das Fahrzeug nicht in die Waschstraße. Danach gilt:
- von Hand waschen oder in der Waschstraße mit Textilwäsche ohne Heißwachsprogramm, keine Bürstenwäsche
- keine Hochdruckreiniger, keine aggressiven Chemikalien und Lösemittel wie Aceton oder Lackverdünner
- Insektenreste und Vogelkot zeitnah entfernen
- direkt nach der Verklebung empfiehlt Orafol eine Erstimprägnierung mit der Langzeitversiegelung
Avery Dennison nennt für Supreme Wrapping Film Reiniger mit pH-Wert 5 bis 9, ohne Alkohol (kein Isopropyl), Säuren, Ammoniak, Chlor und Erdöldestillate. Seifen, Wachse oder Beschichtungen mit Erdöldestillaten oder Lösemitteln lassen die Garantie entfallen. 3M nennt für 2080 ein flüssiges Mittel für hochwertige Lacke, ohne Scheuerstoffe und starke Lösemittel, mit pH 3 bis 11.
Matte Folie: Matte und strukturierte Oberflächen sind laut Orafol empfindlicher und brauchen schonende Pflege in kürzeren Abständen. Avery Dennison weist darauf hin, dass Reinigungsmittel, Wachs oder Politur bei matten Folien starke Farb- oder Glanzveränderungen auslösen können. Testen Sie jedes Mittel deshalb zuerst an einer unauffälligen Stelle.
Passende Pflegemittel:
- Orafol Intensivreiniger Matt und Orafol Langzeitversiegelung Matt für matte Folien
- Orafol Intensivreiniger Glossy und Orafol Langzeitversiegelung Glossy für glänzende Folien
- Avery Dennison Cleaner for Car Wraps für glänzende und matte Folien, dazu der Avery Dennison Sealant for Car Wraps
Wie entfernt man alte Autofolie?
Orafol beschreibt das Entfernen so:
- Untergrund und Umgebung mindestens +20 °C
- Folie an einer Ecke vorsichtig mit dem Messer lösen und im 180°-Winkel langsam abziehen
- dabei moderat mit dem Heißluftfön auf +40 bis höchstens +60 °C erwärmen, das erleichtert das Abziehen wesentlich; auch ein Heißdampfgerät wird empfohlen
- Klebstoffreste mit einem silikonfreien Industriereiniger auf Citrusbasis entfernen
Wie leicht sich die Folie löst, hängt vom Untergrund und von den Nutzungsbedingungen ab. Orafol und KPMF übernehmen keine Garantie für Geschwindigkeit oder Leichtigkeit der Entfernung, Lackablösungen beim Entfernen sind bei Orafol von der Gewährleistung ausgeschlossen.
Werkzeug und Mittel: das Steinel HM 2120 E Carwrapper Edition mit 7,5 m Kabel und Temperatur in 9 Stufen sowie der Avery Dennison Adhesive Remover für Klebstoffreste.
Häufige Fragen zum Car Wrapping
Kalandrierte Folien sind laut Orafol für ebene und mehrfach leicht gewölbte Flächen gedacht und dürfen nicht in tiefe Karosseriesicken heiß tiefgezogen werden. Ein Beispiel ist Oracal 651 Intermediate Cal, eine teilpolymere PVC-Folie mit 70 µm. Für tiefe Sicken und komplexe 3D-Formen nennen die Richtlinien gegossene Folien.
Bei Orafol gilt jede Verklebung, die mehr als 10° von der Senkrechten abweicht, als horizontal. Avery Dennison unterscheidet vertikal (bis 10° Abweichung), nicht vertikal (10–45°) und horizontal (45–90°) und rechnet nicht vertikale Flächen beim Supreme Wrapping Film mit den Werten für horizontale Verklebung. Nach unserer Lesart der Orafol-Definition zählen damit auch geneigte Flächen wie Motorhaube und Dach als horizontal.
Beide sind gegossene Wrapping-Folien für die Fahrzeugvollverklebung und werden nur trocken verklebt. Laut Datenblatt hat 3M 2080 90 µm ohne Klebstoff, Supreme Wrapping Film 80–140 µm Obermaterial je nach Ausführung. 3M setzt auf Controltac und Comply-Luftkanäle, Avery Dennison auf Easy Apply RS. Für 2080 nennt 3M vertikal 8 Jahre für alle Farben (flach verklebt, ohne Schutzlaminat, außen, ohne Garantie). Für Supreme Wrapping Film nennt Avery Dennison vertikal 12 Jahre in Schwarz und Weiß, 10 Jahre in Farbe und 5 Jahre in Metallic und Perlglanz (Tabelle Bereich 1). Weil die Bedingungen verschieden sind, lassen sich die Werte nicht direkt vergleichen. Glänzende 2080-Farben haben eine transparente Schutzfolie, die nach der Verklebung abgezogen wird.
Orafol erlaubt nach den ersten drei Tagen die Waschstraße mit Textilwäsche ohne Heißwachsprogramm, keine Bürstenwäsche. Hochdruckreiniger sind laut Orafol in jedem Fall zu unterlassen. Bei matten Folien ist Wachs kritisch: Avery Dennison warnt vor starken Farb- und Glanzveränderungen durch Wachs, Politur und Reinigungsmittel.
Avery Dennison nennt beim Supreme Wrapping Film als ungeeignet: Folien auf Folien einer anderen Marke und Folien auf bestehenden Grafiken, die vorab geprüft werden müssen. Orafol lässt die kombinierte Verarbeitung mit Produkten anderer Hersteller an einem Objekt nicht zu.
Nein, Vollverklebungen werden trocken verklebt. Avery Dennison: Supreme Wrapping Film nie nass verkleben. 3M: 2080 nur trocken. Orafol: Folien mit RapidAir-Klebstoff und Strukturfolien sind generell nicht für die Nassverklebung geeignet. Nass verkleben lassen sich laut Orafol nur Teildekorationen wie Rallyestreifen auf ebenen und schwach gewölbten Flächen, mit Folien ohne mikrostrukturierten Klebstoff. Für Oracal 751C und 651 nennen die Datenblätter keine Anwendungstechnik. Die allgemeinen Orafol-Verarbeitungshinweise beschreiben die Nassverklebung, aber nur in der warmen Jahreszeit ab +18 °C.
Als ablösbar nennen die Hersteller ihre Folien nur für begrenzte Zeit: Avery Dennison den Supreme Wrapping Film für die Dauer der Haltbarkeit (sauber ablösbar heißt dort weniger als 20 % Klebstoffrückstände mit Wärme und chemischer Reinigung), KPMF die Serie K75400/K75500 bis zu drei Jahre. Für das Entfernen von waagerecht bewitterten Außenflächen gibt KPMF keine Garantie. Für das Entfernen der Folie von Fahrzeuglacken, die älter als fünf Jahre sind, gibt Avery Dennison keine Garantie. Gehen Sie wie oben beschrieben vor: Wärme, langsames Abziehen im 180°-Winkel, Klebstoffreste mit Kleberentferner.