Einstieg in die Werbetechnik: Plotter, Folie und Werkzeug für die ersten Aufträge
Folienarten in der Werbetechnik: kalandriert, polymer oder gegossen?
Unterschiede, Haltbarkeit, Kleber und Einsatz – und welche Oracal-Folie wofür passt
Welche Arten von Klebefolien gibt es?
Selbstklebende PVC-Folien für die Werbetechnik unterscheiden sich vor allem im Aufbau. Bei den Orafol-Serien in diesem Beitrag zeigt schon der Name die Art: Die Cal-Serien sind kalandriert, die Cast-Serien gegossen.
- Monomer kalandriert (Weich-PVC): Oracal 621 Economy Cal und Oracal 631 Exhibition Cal
- Teilpolymer kalandriert: Oracal 651G Intermediate Cal, auch matt als 651M
- Polymer kalandriert: Oracal 551 High Performance Cal
- Gegossen (Cast): Oracal 751C High Performance Cast und Oracal 951 Premium Cast
Dazu kommen Spezialfolien wie die transparent eingefärbte Oracal 8300 Transparent Cal für Glas und weiße Digitaldruckfolien wie Orajet 3164HT.
Was ist der Unterschied zwischen Polymerfolie und Monomerfolie?
Im Datenblatt zeigt sich der Unterschied vor allem bei Haltbarkeit, Schrumpf und Einsatz:
- Oracal 621 (Weich-PVC): bis 4 Jahre außen, max. Schrumpf längs 0,4 mm, für kurz- und mittelfristige Beschriftungen
- Oracal 651 (teilpolymer): bis 5 Jahre außen, max. Schrumpf längs 0,4 mm, für kurz- und mittelfristige Beschriftungen
- Oracal 551 (polymer): bis 8 Jahre außen, max. Schrumpf längs 0,2 mm, laut Datenblatt besonders geeignet für hochwertige Fahrzeug- und Verkehrsmittelwerbung, auch auf unebenen und leicht gewölbten Untergründen
Die Jahresangaben gelten jeweils für Schwarz und Weiß, farbige Töne halten kürzer (siehe unten).
Kalandriert oder gegossen: Was ist der Unterschied?
Die gegossenen Folien sind laut Hersteller für anspruchsvolle Untergründe gemacht: Oracal 751C und Oracal 951 lassen sich auch auf unebenen und gewölbten (bei 751C: lackierten) Untergründen sowie in Sicken und über Nieten verkleben.
Das zeigt sich auch in den Werten:
- Schrumpf: 0,1 mm (951) bzw. 0,15 mm (751C) längs und quer, bei der polymeren 551 max. 0,2 mm längs, bei 621, 631 und 651 max. 0,4 mm längs
- Folienstärke: 0,05 mm (951) und 0,06 mm (751C), bei 551 und 651 sind es 0,07 mm
- Haltbarkeit außen: bis 10 Jahre (951) und 8 Jahre (751C) für Schwarz und Weiß
Für 621, 631 und 651 nennt das Datenblatt keine gewölbten Untergründe, Sicken oder Nieten. Für gewölbte Flächen, Sicken und Nieten nennt Orafol ausdrücklich 751C und 951, für leicht gewölbte Untergründe 551.
Welche Oracal-Folie wofür?
Eine „beste“ Oracal-Folie gibt es nicht. Entscheidend sind Untergrund, gewünschte Haltbarkeit und die Frage, ob die Beschriftung wieder entfernt werden soll. Unsere Einordnung nach den Datenblattangaben:
- Flache Untergründe, kurz- bis mittelfristig, wieder ablösbar: Oracal 621 (glänzend) oder Oracal 631 (matt, laut Datenblatt besonders für Ausstellungs- und Messebau)
- Flache Untergründe, kurz- bis mittelfristig, permanent: Oracal 651, glänzend oder matt
- Leichte Wölbungen, langfristig, Fahrzeugwerbung: Oracal 551
- Gewölbte Flächen, Sicken und Nieten, Fahrzeug- und Verkehrsmittelwerbung: Oracal 751C oder Oracal 951
- Glas und Fenstergrafik, transparent farbig: Oracal 8300
Wie lange hält Oracal-Folie?
Orafol nennt die Haltbarkeit bei vertikaler Außenbewitterung im mitteleuropäischen Normalklima, abhängig von der Farbe:
- Oracal 621: 4 Jahre Schwarz/Weiß, 3 Jahre transparent, farbig und metallic
- Oracal 631: 3 Jahre
- Oracal 651: 5 Jahre Schwarz/Weiß, 4 Jahre transparent, farbig und metallic, 3 Jahre Brillantblau
- Oracal 551: 8 Jahre Schwarz/Weiß, 7 Jahre transparent und farbig, 4 Jahre metallic, 3 Jahre Brillantblau L
- Oracal 751C: 8 Jahre Schwarz/Weiß, 7 Jahre transparent und farbig, 5 Jahre metallic, 3 Jahre Gold L
- Oracal 951: 10 Jahre Schwarz/Weiß, 8 Jahre transparent und farbig, 6 Jahre metallic, einzelne Töne wie Kupfer oder Gold metallic 3 Jahre
- Oracal 8300: 5 Jahre
Im Innenbereich sind 621 und 651 laut Datenblatt nahezu unbegrenzt haltbar.
Permanent oder ablösbar: Welcher Kleber passt?
- Ablösbar: Oracal 621 und 631 haben einen ablösbaren Polyacrylat-Kleber mit einer Klebkraft von 7 N/25 mm.
- Permanent: Oracal 651, 551, 751C und 951 haben einen permanenten Solvent-Polyacrylat-Kleber mit 18 N/25 mm. Oracal 8300 klebt ebenfalls permanent (16–18 N/25 mm auf Glas, 16 N/25 mm auf Acrylglas).
Alle Werte gelten nach 24 Stunden. Ein ablösbarer Kleber bietet sich an, wenn die Beschriftung später wieder herunter soll, etwa auf der Messe.
Kann man Klebefolien nass oder trocken verkleben?
Das hängt von der Folie ab, maßgeblich ist das Datenblatt. Bei Oracal 8300 nennt Orafol ausdrücklich Nass- und Trockenapplikation, eine Weißfärbung des Klebstoffs tritt dabei nicht auf.
Für die anderen Serien in diesem Beitrag nennt das Datenblatt keine Anwendungstechnik, sondern verweist auf die Verarbeitungshinweise von Orafol. Dort beschreibt Orafol für seine Plotterfolien die Trocken- und die Nassverklebung. Die Nassverklebung sollte nur in der warmen Jahreszeit ab +18 °C erfolgen: Die Klebeseite wird mit entspanntem Wasser (Wasser mit etwas Spülmittel) besprüht, die Folie ausgerichtet und das Wasser restlos herausgestrichen. Als Übertragungsmaterial für die Nassverklebung empfiehlt Orafol das ORATAPE Montagepapier MT 72.
Für alle Serien gilt laut Datenblatt:
- Verklebung ab 10 °C
- Untergrund frei von Staub, Fett und anderen Verunreinigungen
- Neulackierungen getrocknet bzw. völlig ausgehärtet, Verträglichkeit mit dem Lack vorher testen
Zum Reinigen empfiehlt Orafol in seinen Verarbeitungshinweisen den ORAFOL Oberflächenvorreiniger und rät von anderen Reinigungsmitteln ab.
Plotterfolie oder Digitaldruckfolie?
Die Oracal-Folien in diesem Beitrag sind Plotterfolien: Sie werden farbig auf der Rolle geliefert und auf dem Schneideplotter geschnitten. Die glänzenden Oberflächen von 751C und 951 sind laut Datenblatt zusätzlich für den digitalen Thermotransferdruck mit Harzbändern geeignet.
Für gedruckte Motive gibt es weiße Digitaldruckfolien wie Orajet 3164HT:
- Weich-PVC, 0,1 mm, glänzend oder matt
- permanenter Kleber, 22 N/25 mm
- 4 Jahre Haltbarkeit außen (unbedruckt)
- laut Artikelangaben für Solvent-, UV- und Latextinten
Nach dem Druck müssen die Farben sorgfältig trocknen, damit der spätere Verbund mit dem Laminat nicht leidet.
Häufige Fragen zu Folienarten
Für Fahrzeug- und Verkehrsmittelwerbung besonders geeignet sind laut Datenblatt Oracal 551 (auch auf unebenen und leicht gewölbten Untergründen) sowie die gegossenen Oracal 751C und 951 (auch auf gewölbten Flächen, in Sicken und über Nieten). Eine Allgemeine Bauartgenehmigung (ABG) führen die Datenblätter von 551, 751C und 951 als Zertifikat auf, ebenso das von Oracal 651.
Für Glas und glasähnliche Flächen innen und außen, besonders für Fenstergrafiken, ist Oracal 8300 Transparent Cal gemacht. Die Folie ist transparent eingefärbt, UV-stabilisiert und laut Datenblatt nass oder trocken zu verkleben. Soll eine Schaufensterbeschriftung wieder entfernt werden, kommen Oracal 621 oder 631 mit ablösbarem Kleber infrage.
Oracal 651 ist eine teilpolymere, kalandrierte Folie (0,07 mm) für kurz- und mittelfristige Beschriftungen, bis 5 Jahre außen, max. Schrumpf längs 0,4 mm. Oracal 751C ist gegossen (0,06 mm), hält bis 8 Jahre außen, schrumpft max. 0,15 mm und lässt sich auch auf gewölbten Untergründen, in Sicken und über Nieten verkleben. Beide haben einen permanenten Kleber mit 18 N/25 mm.
Das Datenblatt der Oracal 751C empfiehlt als Übertragungsmaterial ORATAPE HT95, LT52, LT95, MT52, MT72, MT80P oder MT95. Im Shop finden Sie zum Beispiel Oratape MT95 und Oratape HT95.
Beides: ORACAL ist eine eingetragene Marke der ORAFOL Europe GmbH. Orafol ist also der Hersteller, Oracal die Marke der Plotterfolien. Auch ORAJET ist eine eingetragene Marke der ORAFOL Europe GmbH, unter diesem Namen führt Orafol zum Beispiel die Digitaldruckfolie Orajet 3164HT.
Bei folienwelt.de finden Sie unter anderem Folien von Orafol (Oracal, Orajet), Avery Dennison, Mactac, 3M, KPMF und ASLAN. Welche Folie passt, hängt wie oben beschrieben vom Untergrund, der gewünschten Haltbarkeit und dem Kleber ab.